Verbrennung statt Deponie

100 Meter lang und zehn Meter breit ist das Trockenhaus der Albhof-Biogasanlage. Hinten wird der Klärschlamm eingekippt, Rechen befördern den Schlamm allmählich nach vorne, bis er getrocknet ins Silo (rechts vorn) wandert. Fotos: hn

Immer mehr Kommunen wollen Klärschlamm in Biogasanlage trocknen lassen

Seit acht Monaten wird bei Böhmenkirch mit der Abwärme einer Biogasanlage
Klärschlamm von Kommunen aus dem Kreis getrocknet. Bislang sind alle
zufrieden: Die regionale Entsorgungsschiene funktioniert.

THOMAS HEHN

Von Weitem sieht es aus wie ein großes Gewächshaus. Doch obwohl im Innern
zehn Meter breite Rechen rund um die Uhr wie eine Egge durch den Boden
ziehen, wird hier nie etwas gesät werden. Was auf den ersten Blick wie
krümeliger Humus aussieht, ist in Wirklichkeit Klärschlamm, der mit Hilfe
der Abwärme einer Biogasanlage von 75 auf nur noch 10 Prozent Wassergehalt
getrocknet wird. Danach geht der Klärschlamm als Brennstoff in ein
Schelklinger Zementwerk.

Die Verbrennung von Klärschlamm wird seit Jahren diskutiert, auf dem
Albhof bei Böhmenkirch wird das neue Entsorgungskonzept nun erstmals in
der Region in die Tat umgesetzt. Und obwohl es für die Kommunen bislang
noch etwas teurer ist (vorher wurde der Klärschlamm für 52,36 Euro die
Tonne in den neuen Bundesländern deponiert, die Entsorgung auf dem Albhof
kostet 57,70 Euro), ist man auf den Rathäusern zufrieden: "Irgendwann wird
das Deponieren von Klärschlamm eh verboten", erinnert der Vorsitzende des
Abwasserzweckverbandes Oberes Filstal, Bad Ditzenbachs Bürgermeister
Gerhard Ueding, an die Diskussion um den Schadstoffgehalt von Klärschlamm
und die daraus resultierenden Risiken für die Umwelt. Statt auf Sankt
Florian zu setzen und "den Klärschlamm quer durch ganz Deutschland zu
karren", hält Ueding die Entsorgung vor Ort für die "volkswirtschaftlich
wie auch ökologisch sinnvollere Lösung."

Während die Kommunen Entsorgungssicherheit bekommen, sichern sie dem
Albhof wiederum die Existenz. Schließlich lohnen sich Biogasanlagen erst,
wenn man auch eine sinnvolle Nutzung der bei der Verstromung anfallenden
Abwärme hat. "Nur über die Stromerzeugung allein rechnet sich keine
Biogasanlage", warnt Albhof-Bauer Theo Schömbucher. Die Abwärme seiner
ersten Biogasanlage mit einer Leistung von 340 Kilowatt (kW) nutzte
Schömbucher zum Heizen von drei Wohnhäusern und für den Betrieb seiner
Molkerei.

Die zweite Anlage mit einer Leistung von 640 kW zur Klärschlammtrocknung
hat Schömbucher in der Folge auch erst gebaut, als die entsprechenden
Verträge mit den Kommunen unter Dach und Fach waren. Als hilfreicher
Türöffner erwies sich das Geislinger Albwerk, das neben Schömbuchers
Schwager Hans-Peter Klingler als weiterer Gesellschafter in die eigens für
das Klärschlamm-Projekt gegründete Alb-Biogas GmbH und Co KG eingestiegen
ist. Neben dem Abwasserverband Obere Fils lassen noch Böhmenkirch,
Lauterstein, Degenfeld, Uhingen sowie ein gewerbliches
Entsorgungsunternehmen aus dem Reutlinger Raum Klärschlamm auf der Alb
trocknen. "Und es gibt immer mehr Anfragen", freut sich der Albhof-Bauer.
Bislang musste er noch absagen, weil die schon Trocknungsanlage
ausgelastet ist.

Doch das soll sich jetzt ändern. Über den Jahreswechsel hat Schömbucher in
sein Trocknungshaus zusätzliche Heizlüfter einbauen lassen. Damit soll die
bislang nur auf einer "Fußbodenheizung" und der Wärme der Sonne basierende
Trocknung beschleunigt werden. Schömbucher hofft, damit die Kapazität
seiner Klärschlamm-Trocknung von 4000 auf 6000 Tonnen im Jahr steigern zu
können.

Sollte das nicht reichen, will er ein zweites Trocknungshaus bauen, denn
die beiden zusammen fast ein Megawatt starken Biogasanlagen produzieren so
viel Abwärme, dass man damit 10 000 Tonnen Klärschlamm im Jahr trocknen
könnte.

Ein Blick ins Trockenhaus der Albhof-Biogasanlage: Damit der auf dem von Heizspiralen durchzogenen Boden ausgebreitete Klärschlamm schneller trocknet, wird er von Rechen ständig durchkämmt. Nach ein bis zwei Wochen ist der Schlamm so weit getrocknet, dass er im Schelklinger Zementwerk verbrannt werden kann.